TYPO3 9, 10 oder 11: Upgrade oder Neuaufbau?
Version 9, 10 und 11 haben eines gemeinsam: Der freie Support ist bei allen dreien seit Jahren beendet. Damit steht nicht mehr zur Debatte, ob an Ihrer Website etwas passiert, sondern nur noch, was. Diese Seite stellt beide Wege nebeneinander, Upgrade auf Version 14 LTS oder Neuaufbau, und sagt, woran sich entscheidet, welcher bei Ihnen der richtige ist.
Wo Sie stehen, wenn Sie noch auf 9, 10 oder 11 sind
Sie stehen auf einer Version, für die es seit Jahren keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr gibt. Der Unterschied zwischen den dreien liegt nur noch darin, ob sich der Zustand überbrücken lässt, und wie lange. Die Tabelle zeigt es je Version.
| Version | Support endete | ELTS | Handlungsdruck |
|---|---|---|---|
| TYPO3 9.5 | 30.09.2021 | am 30.09.2025 ausgelaufen | nichts mehr zu verlängern |
| TYPO3 10.4 | 30.04.2023 | bis 30.04.2027 (viertes Jahr, Partner oder mein Hosting) | ein Zukauf deckt jetzt weniger als ein Jahr ab |
| TYPO3 11.5 | 31.10.2024 | bis 31.10.2027, viertes Jahr bis 31.10.2028 (Partner oder mein Hosting) | Zeit ist da, der Abstand wächst weiter |
Quelle: typo3.com und get.typo3.org, abgerufen 27.07.2026. Bei Version 8 und älter endete der freie Support zwischen 2017 und 2020, ELTS gibt es keines, dort rechne ich meist den Neuaufbau.
ELTS lässt sich für Version 10 und 11 noch zukaufen: Über einen TYPO3-Partner ist das vierte ELTS-Jahr im Single Plan mit 2.800 € pro Jahr gelistet, die ersten drei Jahre sind nicht öffentlich (typo3.com, 27.07.2026); in meinem Hosting kostet ELTS für diese Versionen 240 € netto pro Jahr und Projekt, über den vollen Vierjahres-Lauf 960 € netto. Ein kleines Upgrade beginnt bei 1.000 € netto (zzgl. MwSt.), die beiden Summen liegen also dicht beieinander. Für die Wahl zwischen Upgrade und Neuaufbau ändert ELTS trotzdem nichts: Es verschiebt beide Wege gleichermaßen. Zum Preis: Was ein Upgrade kostet.
Was bei großen Versionssprüngen technisch passiert
Zwischen Version 9 und 14 liegen vier LTS-Generationen. Der Core wandert deshalb in mehreren Etappen nach oben, nicht in einem Schritt. Die eigentliche Arbeit steckt aber nicht dort, sondern in vier Umbauten, die bei einem Sprung über so viele Generationen zusammenkommen.
Composer wird zum Standardweg
Installationen aus der Zeit von Version 9 und 10 laufen oft noch klassisch: Erweiterungen kamen aus dem TYPO3 Extension Repository, Dateien per FTP auf den Server. Diesen klassischen Weg gibt es weiterhin, auch für Version 14, Pflicht ist Composer also nicht. Praktisch führt trotzdem fast jeder Weg dorthin, weil Werkzeuge, Dokumentation und Erweiterungsverwaltung darauf ausgelegt sind. Der Wechsel ist kein Schalter im Backend: Jede Erweiterung braucht einen Composer-Paketnamen, das Verzeichnis, auf das Ihre Domain zeigt, wandert tiefer, aus dem Hochladen wird ein Bauvorgang, und Ihr Hosting muss einen Composer-Zugang bieten. Danach ist jedes Update wiederholbar.
TCA und Fluid ändern sich
TCA beschreibt Ihre Felder und Eingabemasken. Mit Version 12 kamen dort eigene Feldtypen dazu, für E-Mail, Link, Datum, Zahl oder Datei, wo früher ein allgemeines Eingabefeld mit Prüfregel stand. Dateien wurden früher über die Option internal_type verknüpft: Dieser Weg fiel schon mit Version 10 weg, die Option selbst mit Version 12. Bei Fluid trifft es die Templates: Die Widget-ViewHelper, mit denen Blätterlisten gebaut wurden, sind bereits mit Version 11 entfallen, ersetzt durch die Pagination des Cores. Und wer Core-Templates ins Sitepackage kopiert hat, pflegt eine Kopie, die mit jeder Version weiter abweicht.
Extbase-Code muss angefasst werden
Das betrifft Sie nur, wenn eigene Extbase-Erweiterungen im Spiel sind, dann aber jede einzelne davon. Drei Umbauten fallen praktisch immer an: Der ObjectManager, über den Objekte früher erzeugt wurden, ist mit Version 12 entfallen und durch die Übergabe im Konstruktor ersetzt. Controller-Aktionen dürfen nicht mehr nichts oder eine Zeichenkette zurückgeben, sondern müssen eine Response liefern. Und die alten Signal/Slots sind PSR-14-Events gewichen. Ohne diese Anpassungen startet die Erweiterung nicht.
Viele Extensions gibt es nicht mehr
Je weiter Ihre Version zurückliegt, desto mehr Erweiterungen sind den Weg nach oben nicht mitgegangen. Wo eine nie für aktuelle Versionen freigegeben wurde, fällt das nicht erst im Test auf: Sie lässt sich nicht mitinstallieren. Ein Nachfolger deckt die Funktion dann meist ab, aber nicht deckungsgleich, er bringt eigene Einstellungen und eine eigene Ausgabe mit, und was Ihre Redakteure gewohnt sind, ändert sich. Welche es trifft, zeigt Ihre Erweiterungsliste.
Wie das abläuft: Der Ablauf in 7 Schritten.
Entscheidungshilfe: Upgrade oder Neuaufbau
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, aber sie lässt sich zerlegen: in Aussagen, die auf Ihre Website zutreffen oder nicht. Die Tabelle nennt die sieben, die in der Praxis den Ausschlag geben, und sagt zu jeder, wohin sie zeigt.
| Wenn … | dann eher |
|---|---|
| Design und Struktur passen noch | Upgrade |
| Website ist älter als sechs Jahre und wirkt so | Neuaufbau |
| wenige Standard-Extensions | Upgrade |
| viele aufgegebene oder exotische Extensions | Neuaufbau |
| umfangreiche Eigenentwicklung, die gebraucht wird | Upgrade (Portierung) |
| Inhalte sollen ohnehin überarbeitet werden | Neuaufbau |
| Zwei oder mehr Versionssprünge und individuelles Template | rechnen, oft Neuaufbau |
Die Zeilen wiegen nicht gleich schwer: Eine Eigenentwicklung, die Ihr Betrieb braucht, kann mehrere Gegenargumente aufwiegen; ein veraltetes Design kippt die Entscheidung umgekehrt. Bleibt es unentschieden, beantwortet der kostenlose Upgrade-Check diese Frage. Was ein Upgrade umfasst: Details zum TYPO3-Upgrade auf Version 14.
Was beim Neuaufbau mit Ihren Inhalten passiert
Ihre Inhalte kommen mit. Beim Neuaufbau werden Seiten, Texte und Bilder in die neue Installation übernommen, die bestehenden Adressen per Weiterleitung auf ihr neues Ziel gelegt und die Sichtbarkeit bei Google gehalten. Neu erfasst wird nichts, was schon da ist.
„Übernommen" heißt dabei nicht „kopiert". Die alte Installation liefert Seitenstruktur, Texte und Dateien; in der neuen liegen andere Inhaltselemente bereit, und jedes alte Element bekommt sein Gegenstück. Standardelemente sind Fließarbeit, individuell Gebautes geht Stück für Stück. Zugleich ist es der Moment, in dem jemand Ihre Inhalte zum ersten Mal seit Jahren wieder ansieht: Seiten, die niemand aufruft, Texte, die überholt sind, Bilder in Auflösungen von vorgestern. Wer die Inhalte ohnehin anfassen will, erledigt beides in einem Durchgang; wer nicht, bekommt den Bestand übernommen, wie er ist. Die Sorge um genau diesen Punkt ist der häufigste Grund, einen fälligen Neuaufbau aufzuschieben.
Häufige Fragen
Fünf Fragen, die bei alten Installationen immer wieder aufkommen: ob sich der Weg abkürzen lässt, was ein Neuaufbau mit der Google-Sichtbarkeit macht, was aus alten Adressen wird, wie lange beide Wege dauern und was bei einer verschwundenen Erweiterung zu tun ist.
Nicht in einem Zug. Jede LTS-Version bringt Datenbank- und Konfigurationsmigrationen mit, die nur sie selbst ausführen kann; von Version 9 aus sind deshalb mehrere Zwischenstufen nötig. Überspringen lässt sich laut der Deprecation Policy der TYPO3 GmbH höchstens jede zweite Generation. Bei einem Neuaufbau entfällt diese Leiter: Version 14 wird frisch aufgesetzt.
Nicht, wenn der Umzug sauber gemacht wird. Positionen hängen an Inhalt, Adresse und technischer Basis: Bleiben beide erhalten und wird die Basis besser, fehlt der Grund für einen Einbruch. Sichtbarkeit geht verloren, wo Seiten ersatzlos wegfallen oder Adressen ins Leere laufen.
Sie bleiben erreichbar. Vor dem Umschalten entsteht eine Liste, die jede alte Adresse ihrem neuen Ziel zuordnet; TYPO3 bringt dafür ein Modul mit. Wer sie aufruft, landet dauerhaft weitergeleitet auf der neuen — das gilt auch für Lesezeichen, fremde Links und PDF-Dateien.
Technisch unterscheiden sich beide Wege weniger, als die meisten annehmen. Beim Upgrade bestimmt der Zustand der Installation den Zeitplan, beim Neuaufbau bestimmen ihn die Entscheidungen — Design, Struktur, Texte und Bilder. Ein Neuaufbau zieht sich selten an der Technik, sondern an den Rückläufen.
Das ist bei alten Installationen der Normalfall. Für die Funktion gibt es fast immer eine Entsprechung; manches steckt heute im TYPO3-Kern, etwa Formulare und Weiterleitungen. Die Arbeit sind die vorhandenen Einträge: Sie liegen in eigenen Datenbanktabellen und werden einzeln überführt.